Neu: Weingut Schloss Lieser

Wenn man im Ausland über deutsche Weine spricht, geht es eigentlich meistens um ein Thema: Rieslinge von der Mosel. Und zwar nicht trocken, sondern restsüß als Kabinett, Spätlese, Auslese oder noch süßer.

Egal, ob süß oder trocken, die Mosel hat viel zu bieten. Die Steilen hänge entlang des kurvigen Tals bieten Weinberge jeder erdenklichen Ausrichtung und Steilheit. Die kargen Schieferböden in den Steillagen halten nur wenig Erde und Wasser, so dass die Reben tiefe Wurzeln bilden müssen. Während im warmen Baden und in der Pfalz schon geerntet wird, hängen an der Mosel die Trauben meist noch an den Stöcken. Die Weine sind etwas leichtfüßiger als in den wärmeren Regionen. 

Thomas Haag und seine Familie bewirtschaften das Weingut Schloss Lieser seit nun über 20 Jahren. Der Sohn eines berühmten Moselwinzers (Fritz Haag) kaufte das runtergekommene Weingut zusammen mit seiner Frau. Es gab kaum noch Kunden, das Flaschenlager war leer, die Weinberge in einem schlechten Zustand. Das Weingut wurde saniert, neue Maschinen angeschafft, Weinberge in den besten Lagen dazugekauft und teilweise neu bepflanzt. 

Familie Haag

Die Weine sind für mich zur Zeit die Referenz an der Mosel. Alle Rieslinge werden konsequent spontan vergoren und im Stahltank ausgebaut. Sie sind elegant und ganz klar im Geschmack, gleichzeitig haben sie eine tolle Struktur und bringen die Charakteristik der einzelnen Lagen gut herüber. Schon die Gutsweine zeigen diesen Stil ganz deutlich. 

Die einzelnen Lagen – Schloss Lieser hat Reben in acht als „Große Lage“ klassifizierten Weinbergen – haben alle ihre eigene Charakteristik. Wenn man die Weine nebeneinander probiert, kann man die Unterschiede sehr gut wahrnehmen.

Die Großen Lagen

Das Weingut wird seit Jahren mit Preisen geraderecht überschüttet. Erst kürzlich wurde Thomas Haag vom Fallstaff als „Winzer des Jahres“ ausgezeichnet. Umso mehr freue ich mich, dass ich mir als neuer Händler eine kleine Menge von sechs der sieben „Großen Gewächse“ reservieren durfte. Das siebte ist sehr exklusiv und nicht so einfach zu bekommen. 

Die Weine

Guts- und Ortsweine

Kabinettstück 2018 & 2020

Da die alte Bezeichnung “Kabinett“ für trockene Weine nicht mehr verwendet werden darf, heißt das alte „Kabinett trocken“ jetzt Kabinettstück. Es ist der größere der beiden Gutsrieslinge. Der Unterschied zum kleineren „SL“ ist jedoch so groß – und der Aufpreis so klein – dass ich nur das Kabinettstück aufgenommen habe. Mit 11,5 Volumenprozent Alkohol (in 2020) ist es ein herrlich erfrischender leichter Riesling für wärmere Tage. Zitrus und Pfirsichnoten, etwas reduktive Noten und eine vibrierende Säure, alles wunderbar im Gleichgewicht. 

Dass es sich hier schon um einen ernstzunehmenden Wein handelt zeigt sich auch dadurch, dass man das ganze Jahr über im Weingut die Jahrgänge 2018 und ´19 zum probieren bekommen hat. Die sind gerade wunderbar zu trinken, während der 2020er einfach noch ein bisschen Zeit braucht. 

11,90 € (15,87 € / Liter)

Alc.: 2018: 12,5 vol %, 2020: 11,5 vol % | Enthält Sulfite

Heldenstück und Goldstück

Ehemals Niedernberg Helden und Piesporter Goldtröpfchen Spätlese trocken, aber die alte Klassifikation

Die Ortsweine kommen auch aus den Großen Lagen und zeigen schon sehr schön, wo die Reise hingehen kann. Alle Trauben, die nicht in das Große Gewächs gehen kommen in die Ortsweine. Die beiden Lagen sind auf jeden Fall zu erkennen. Das Heldenstück etwas wilder in der Nase mit Kräuternoten und leichter Reduktion. Das Goldstück etwas runder, mit gelben Früchten und einer etwas wärmeren Aromatik, aber auch mehr Würze. 

16,90 € (22,53 € / Liter)

Alc.: 12,0 vol % | Enthält Sulfite

Die Großen Gewächse

Ich konnte von sechs der sieben Großen Gewächse einige Flaschen ergattern:

  • Niederberg Helden GG (2019 und 2020)
    32,90 € (43,87 € / Liter)
  • Piesporter Goldtröpfchen GG
    32,90 € (43,87 € / Liter)
  • Brauneberger Juffer GG
    29,90 € (43,87 € / Liter)
  • Juffer Sonnenuhr GG (das Filetstück der Lage Juffer)
    32,90 € (43,87 € / Liter)
  • Wehlener Sonnenuhr GG
    32,90 € (43,87 € / Liter)
  • Graacher Himmelreich GG
    32,90 € (43,87 € / Liter)

Die „Kabis

Restsüße Kabinette von der Mosel sind wieder stark im Kommen. Man darf sie nur nicht mit langweiligen, lieblichen Weinen gleichsetzen. Ein gutes Kabinett lebt von dem Spiel zwischen Süße und Säure, ist leicht und immer auch ein bisschen süffig. Unkompliziert, aber nicht einfach. Und natürlich soll auch hier die Herkunft erkennbar sein.

Als ich die Weine im Weingut probiert habe, fand ich den Unterscheid zwischen diesen beiden Weinen am größten und habe mich dafür entscheiden, von beiden Weinen etwas mitzunehmen. Bei Interesse kann ich nur empfehlen, beide nebeneinander zu probieren. Die Weine halten auch geöffnet im Kühlschrank einige Wochen.

Niederberg Helden Kabinett 2020

Das Helden-Kabi riecht zunächst sehr karg, mit reduktiven Noten (Schwefel, Feuerstein), aber auch einer sehr feinen Frucht und typischer Riesling-Charakteristik. Helle Früchte (Äpfel, Zitrusfrüchte, Weinbergspfirsiche) spielen mit einer knackigen Säure.

Goldtröpfchen Riesling Kabinett 2020

Nach dem kargen Wein war ich sehr überrascht von einem sehr üppigen Goldtröpfchen-Kabinett. Die Nase erinnert zu allererst an Grillhähnchen und Hühnerbrühe. Reduktive Noten gibt es fast keine. Die Frucht ist dunkler und gelber (Aprikosen, Pfirsiche, Mango) und auch hier packt die Säure zu. Ich vermute, dass sich die „Fleischigkeit“ wieder etwas legen wird.

14,90 € (19,87 € / Liter)

Alc. 8,5 vol %

14,90 € (19,87 € / Liter)

Alc. 8,5 vol %

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