Neu: Weingut Rings

Endlich geht es los und die ersten Weine trudeln ein. Die Suche nach einem passenden Keller gestaltet sich leider schwieriger als gedacht, aber zumindest ist eine gute Lösung für den Anfang gefunden. 

Und so kann ich endlich anfangen, die ersten Weine auch in größeren Mengen zu bestellen. Das meiste noch über Großhändler – die Mengen sind für Bestellungen ab Weingut teilweise noch zu klein – aber zum Glück geht das recht unkompliziert. 

Und somit gehört das Weingut Rings aus der Pfalz zu den ersten, die ich hier vorstellen darf. Und bei der folgenden Beschreibung muss ich sehr vorsichtig sein, zieht sich dieses Muster doch sehr durch die aktuelle Weinszene und lässt sich fast 1:1 auf viele andere Weingüter übernehmen:

Der elterliche Fassweinbetrieb, also reine Landwirtschaft als Traubenproduzent, wird von den Kindern (hier zwei Söhnen) übernommen und in einen Flaschenweinbetrieb umgewandelt. Ab sofort steht der eigene Name auf den Weinen und es geht es nicht mehr nur um Menge, sondern um Qualität. Dazu kommen neue Lagen, Weinberge werden getauscht, gekauft oder gepachtet. Alte Weinberge in guten Lagen werden wiederbelebt. Alte Sorten, werden rausgerissen und neue gepflanzt. 

Maschinen werden eingemottet und möglichst viel per Hand erledigt. Im Keller werden die Weine nur noch spontan vergoren und möglichst wenig in die Entstehung der Weine eingegriffen. 

Das Weingut Rings landet sogar sehr schnell im VDP und wird innerhalb von ein paar Jahren zum Vorzeigeweingut der Pfalz. 

Zunächst gibt es fünf Weine von Rings, sehr wahrscheinlich werden es bald mehr. Detaillierte Weinbeschreibungen kommen bald!

Riesling Gutswein 2020

Eine Weisheit unter Weintrinkern lautet: Wenn du wissen willst, was ein Winzer kann, probiere seine einfachsten Weine. Die Gutsweine werden in den größten Mengen produziert und sind die Visitenkarte der Winzer. Bei Rings merkt man hier direkt den Stil und die Handschrift des Winzers. Bei Rings werden auch die „kleinsten“ Weine per Hand gelesen, sorgfältig sortiert, spontan vergoren und im Stahltank ausgebaut. 

Der Wein beginnt mit einer starken reduktiven Note. Durch den Stahltank kommt wenig Sauerstoff an den Wein und es entwickeln sich (durchaus spannende) schwefelige Noten, die an Feuerstein erinnern. Diese verfliegen aber nach ein paar Minuten im Glas und machen Platz für viele andere Aromen, unter anderem Zuckerwatte, Birne und tropische Früchte. Für einen Gutswein hat der Riesling von Rings eine spannende Mineralik. Die Säure erinnert an Zitrus und Apfel. Insgesamt ein sehr frischer Riesling der zum Trinken animiert.

Chardonnay & Weissburgunder 2020

Die Cuvee aus Chardonnay und Weissburgunder ist die Allzweckwaffe der Gastronomen. Frucht, Säure, aber nicht zu viel, Volumen und Schmelz. Die Weine sind ideale Essensbegleiter und ecken selten an. Bei Rings ist das letztendlich nicht anders, aber wer hier einen langweiligen Wein ohne Charakter erwartet liegt sehr falsch.

Die Cuvee aus 70% Chardonnay und 30% Weissburgunder ist traditionell etwas schmalziger und voluminöser als der Riesling. Die Aromen gehen von Aprikose über Banane und Marzipan hin zu floralen Noten. im Mund ist der Wein sehr schön erfrischend, ohne eine aufdringliche Säure zu haben.

Riesling Kalkfels 2019

Dieser Orts-Wein (zur vierstufigen VDP-Pyramide kommt mal noch mehr) stammt nur aus Weingärten um den Ort Kallstadt und kommt von Kalk- und Kalkmergelböden aus einem etwas kühleren Klima. 

Der Riesling vom Kalkfels kommt von Kallstadter Kalkböden und ist als Ortswein deklariert. Auch er hat reduktive Noten von Schwefel und Feuerstein, allerdings nicht so ausgeprägt, wie der Gutsriesling. Vom Geruch her dominieren gelbe Früchte, allen voran Pfirsich, aber auch etwas Toastbrot klingt durch. im Mund ist er etwas hat er eine schöne Fülle und Volumen, wirkt aber trotzdem noch elegant. Die Säure ist sehr fein und elegant. Man merkt schon eine ganz leichte Reife, aber der Wein wird sich über die nächsten Jahre wunderbar entwickeln.

 

 

Spätburgunder Gutswein 2018

Spätburgunder, oder auch Pinot Noir, ist vermutlich die beste Rebsorte der Welt. Die Weine aus dem Burgund gehören zu den besten und teuersten der Welt. Während man mich vor 10 Jahren noch mit deutschen Spätburgundern jagen konnte ist das heute anders. Zum einen hat sich mein Geschmack geändert, aber auch die Weine selbst haben sich etwas verändert und sind heutzutage vor allem in jungen Jahren deutlich zugänglicher als noch vor 10-20 Jahren. 

Was für ein schöner Spätburgunder! Kirschen und rote Beeren sind hier von Anfang an voll da. Aber auch Vanille, Marzipan und andere Noten, die ihn nicht zu einer Fruchtbombe machen, sondern doch zu einem sehr seriösen Rotwein. Im Mund geht es ganz spannend weiter: Wieder viel Frucht gepaart mit einer sehr saftigen Säure. Fast, wie die roten Campino-Bonbons aus meiner Jugend, falls es die überhaupt noch gibt. Und das ist absolut positiv gemeint, keineswegs dropsig-eindimensional. Auch Früchtetee ist dabei. Die Tannine sind ganz fein und geben die nötige Struktur. Man könnte meinen, der Winzer hätte mit Restzucker nachgeholfen, aber nein – 0,1 Gramm Restzucker. Trockener geht es gar nicht. Diesem Wein tut es durchaus gut, leicht gekühlt getrunken zu werden. Zu warm sollte er auf keinen Fall sein.

Sand und Kiesel 2018

An diesem Wein wäre ich vermutlich ohne Chris, den Weinhändler meines Vertrauens, vorbeigegangen, ohne ihn zu verkosten. Doch als ich ihr letztes Jahr bat, mir eine Kiste mit Weinen nach seinem Geschmack zusammenzustellen, war dieser hier eine der eindringlichsten Empfehlungen. Und gerade weil wir den Wein überhaupt nicht kannten und keinerlei Erwartungen hatten konnten wir so schön überrascht werden. 

Kaum jemand würde der Rebsorte „Blauer Portugieser“ an so einen genialen Wein denken. Die meisten Portugieser stehen im Supermarkt ganz unten im Regal, sind nicht ganz trocken, kosten nicht mehr als vier Euro und hinterlassen außer leichten Kopfschmerzen keinen weiteren bleibenden Eindruck. So kann man sich irren!

Der Sand und Kiesel ist ein herrlicher Wein, gleichzeitig unkompliziert und komplex. Auf der einen Seite ist er wunderbar saftig, fruchtig und trinkanimierend, auf der anderen Seite hat er eine tolle Struktur und bietet genug Grip um nicht langweilig zu werden.  Das liegt auf der einen Seite am Alter der Reben, denn die sind 40-60 Jahre alt. Auf der anderen Seite sorgt die Gährung mit 50% ganzen Trauben und der Ausbau im (neutralen) Holzfass für Struktur und Gerbstoffe. Ein Wein zum Reinknien!

 

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