Gutsweine, die eigentlich gar keine sind…

Sowohl das neue Weinrecht, also auch der VDP haben die sogenannte Herkunftspyramide vor Augen, wenn es darum geht, die Qualität von Weinen in Schubladen zu packen. Der Grundgedanke, so wie er auch im Burgund gelebt wird: Je besser ein Wein, umso klarer soll er die Herkunft transportieren.

Ganz unten sind die Gutsweine: Weine, die von überall her kommen können und die Basis bilden. Ortsweine spiegeln schon den Charakter eines Ortes wieder, der meistens ein homogenes Klima und die gleichen Böden hat. Die Lagen schließlich, sind die besten Weinberge, mit einer einzigartigen Qualität und Charakteristik.

Aber sind Regeln nicht dazu da, gebrochen zu werden? 🙂

Rings – 
Riesling 2020 “Late Release”

Nicht umsonst bleiben große Weine länger im Fass und im Keller, bevor sie in den Handel kommen. Der längere Kontakt mit der Feinhefe verändert den Wein und sorgt für mehr Komplexität. Der Wein wird etwas schmelziger und wirkt fülliger, was auch daran liegt, dass die Säure etwas besser eingebunden wird. 

Andy Rings hat also einfach mal ein gutes Fass von seinem 2020er Gutsriesling ein Jahr länger auf der Hefe gelassen und ihn nun im Juni 2022 auf den Markt gebracht. Gerade im Vergleich zum gleichzeitig erschienen 2021er Riesling merkt man einen deutlichen Unterschied. 

Aromen von gelben Früchten wie Mango und Pfirsich, weißen Blüten (Holunder) und ein Hauch von Erdbeeren. Die Säure ist sehr saftig und toll eingebunden. Die Textur ist etwas chremiger bringt ein volles Mundgefühl mit, ohne dass der Wein breit wirkt. Sehr schön, was Zeit aus einem “einfachen” Wein machen kann. Ein einfacher Basiswein ist das auf keinen Fall.

14,50 € (19,33 €/L)

Christmann – 
Riesling “Aus den Lagen” 2021 & Spätburgunder 2019

Das Weingut Christmann gehört zu den alteingesessenen Weingütern im VDP und der Pfalz. Tatsächlich ist Steffen Christmann der Präsident des VDPs, also dem “Verband deutscher Prädikatsweingüter”. Das ist der Verband, in dem sich 200 der besten Weingüter Deutschlands zusammengetan haben, um deutsche Weine wieder an die Weltspitze zu bringen. Und um eine einheitliche Klassifizierung für deutsche Weine voranzutreiben, die aus Gutsweinen, Ortsweinen, Ersten Gewächsen und Großen Gewächsen besteht. 

Warum erzähle ich das? Weil ausgerechnet Steffen und Sophie, seine Tochter, alles umgekrempelt haben und aus der VDP-Philosophie ausbrechen: 
Sie haben alle nicht-klassifizierten Weinberge verkauft und besitzen nun nur noch erste und große Lagen. Und somit gibt es auch den klassischen Gutswein nicht mehr. Denn die Trauben für die Serie “Aus den Lagen” kommt aus einigen der besten Weinberge Deutschlands. Die Trauben kommen von neu angepflanzten Stöcken oder einer Vorselektion zur Lese der Besten Weine. 

Auch dieses Prinzip gibt es in der Weinwelt: In Bordeaux gibt es in fast jedem Chateau einen “Zweitwein”. Trauben, die es nicht in den Hauptwein geschafft haben, die aber keineswegs schlecht sein müssen. Aber Zweitweine sind im deutschen Weinrecht eigentlich gar nicht vorgesehen… 

Von den drei „Aus den Lagen“, die es gibt, habe ich zwei im Sortiment: Den Riesling und den Spätburgunder.

Riesling

– Aus den Lagen –
2021

Zarte Pfirsichnoten, leicht rauchig mit einer feinen Salzigkeit. Öffnet sich mit Luft zunehmend. Tolle Struktur mit viel Grip trotz der Eleganz.

18,90 € (25,20 €/L)

Spätburunder

– Aus den Lagen –
2019

Dunkle Beeren, Kirschen, Zwetschgen, Brombeeren.Ein paar florale Noten und gut eingebundenes Holz. Fein geschliffene Tannine uns schöne Mineralik.

22,90 € (30,53 €/L)

Christmann Aus den Lagen Riesling und Spätburgunder
Christmann – Aus den Lagen

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